Freitag, 5. Oktober 2007

Getränkekarte - Nachtrag

Heute erreichte mich eine Email von Attila Kiziltas, Shepheards Bar Köln. Er hat seine Getränkekarte zugeschickt, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte:


Gerne stelle ich hier weitere Getränkekarten vor. Schicken Sie mir Ihre Getränkekarte als .pdf an joerg @ jrgmyr.net. 
Die Karten werden hier dann kurz vorgestellt und in die Sammlung mit aufgenommen. Ich würde mich freuen, wenn die Leser die Karten kommentieren und Ihre Meinung zu den Karten hier diskutieren.

Mittwoch, 3. Oktober 2007

Der Businessplan - zum Download

Der Businessplan gehört zu jeder Neugründung dazu. Er hilft Ihnen, sich und Ihr Projekt zu ordnen. Je mehr Fremdkapital Sie einwerben möchten, um so mehr Regeln sollten Sie bei der Gestaltung des Businessplans beachten. Da wir ohne Fremdkapital finanzieren, haben wir den Luxus, auf einen formell Korrekten Businessplan verzichten zu können (was uns sehr viel Arbeit erspart hat).
Dennoch, möchte Ihnen der BARBAUblog eine sehr nützliche Hilfestellung zum Thema: Erstellen eines Businessplans an die Hand geben.
Attila Kiziltas von Drink Design Köln hat uns den Text:


—>  Theoretische Grundlagen eines Businessplans.pdf  <—

zur Verfügung gestellt.Hierfür gilt Ihm mein besonderer Dank!
Kontakt Attila Kiziltas
DrinkDesign
Rathenauplatz 5
50674 Köln
Tel 02221 – 139 79 15
a.kiziltas @ drinkdesign.de
www.drinkdesign.de
www.shepherad.de

Sonntag, 30. September 2007

Unser Barchef – Personalsuche

Durch glückliche Fügung und die Nähe zu Wacholder lastigen Getränken hatte ich das Vergnüngen Gonçalo de Sousa Monteiro vor nicht ganz einem Jahr kennen zu lernen. Im Rahmen der Traveling  Mixologists festigte sich diese Bekanntschaft und so war eigentlich schon bevor ich eine passende Raumlichkeit gefunden hatte für mich klar, das Gonçalo, wenn er denn einverstanden ist, unser Barchef wird.
Als wir einen Raum gefunden hatten, gab es Gespräche mit Gonçalo und wir freuen uns sehr, diesen erfahrenen Bartender für unser Projekt gewonnen zu haben. Mein großer Dank gilt Stefan Weber von der Victoria Bar in Berlin, der uns diesen “Wechsel” problemlos ermöglichte.
Neben dem Barchef Goncalo werden wir weitere Bartender/Maids, auch auf Teilzeitbasis, anstellen. Wer Interesse hat, möge bitte eine email mit Lebenslauf an     joerg @ jrgmy.net senden. Le Lion wird Ende Oktober eröffnen.
Ich habe Gonçalo gefragt, ob und wie ich Ihn hier im Blog vorstellen darf und als Antwort bekam ich charmante Zeilen aus seiner Feder, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte:
Gonçalo de Sousa Monteiro. Vom Tellerwäscher zum Bartender.
1969 in Lissabon geboren. Aufgewachsen in Lissabon und Nordrheinwestfalen. Bikulturelle, bzw. zweisprachige Bildung. Also mit einem dringenden Hang zur Schizophrenie.
Eine Karriere in einem herkömmlichen Sinn ist nicht vorzuweisen. Zu viele Dinge wurden ausprobiert, um sie mal kurzerhand aufzählen zu können. Der Einstieg in die gastronomische Welt erfolgte 1989 in München. Abgebrannt, nach einer Interrailfahrt durch Süd- und Osteuropa, war die Position eines Spülers und Salatanrichter in einem angesagten Frühstückscafé, die erste Möglichkeit für eine finanzielle Aufbesserung. Mit einem weiteren Job als Kellner wurde der pünktliche Flug in die Kaserne ermöglicht. Der portugiesische Pflicht-Militärdienst wartete.
Nach dem Cowboy- und Indianer Spiel folgten weitere Taschengeldaufbesserungen in der Tourismusbranche. Sandwichs, Nachtrezeption und Kellnern in weißer Uniform am Rande eines Swimmingpools sind Teil des Repertoires, sowie das Chauffieren von gelangweilten Ehefrauen irgendwelcher Business-Männer durch pittoreske Dörfer und Übersetzertätigkeiten in Kongressen und Messen.
Die gastronomische Laufbahn wurde dann eine Weile zugunsten eines Studiums der Architektur in Lissabon und Berlin unterbrochen. Die spärliche Auftragslage für Nebentätigkeiten in diesem Berufsfeld, vor allem aber die schlechte Zahlungsmoral für Computer unterstütztes Zeichnen von Ausführungsplanungen, machte Kellnern in einem Biergarten sehr attraktiv. Weitere Jobs folgten, diesmal hinter dem Tresen.
Nachdem die förderbandähnliche Abfertigung von 1,5 Litern Bier-Pitchern und entsprechende Runden Kaktus-Firnis in einem Tex-Mex Laden beherrscht wurden, wanderte die Aufmerksamkeit auf ein kleines in weinrot gebundenes Buch. American Drinks. Die Neugierde für mehr als eine Zwischenstation war geweckt. Es folgten weitere Stationen.
Mit steigender Erfahrung interessierte ich mich für gepflegtere Bars und bewarb mich in der Green Door bei Stefan Weber. Nach einem kurzen Gespräch, notierte sich der Gault Millau „Barkeeper des Jahres 2001“ meine Telefonnummer. Nachdem in den darauf folgenden Monaten kein Anruf kam, machte ich mir für diese Möglichkeit keine Hoffnungen mehr.
Einanderthalb Jahre später arbeitete ich in der gerade eröffneten Universum Lounge, als mich Herr Weber anrief, um mich für sein neues Barprojekt einzuladen, die Victoriabar. Nach dem ersten Winter, gab ich das Studium der Architektur endgültig auf, und tauschte damit von langwierigen Projekten auf die kleinen einminütigen Drinks. Neben der Rolle eines professionellen Gastgebers, galt meine besondere Leidenschaft den perfekten Drinks. Das erste Getränk, welches ich über ein zwei Monate perfektionierte war der Daiquiri.
Es gibt keinen einzigen Drink, der auf Anhieb vollkommen gelingt. Eine Mindestlaufzeit von zwei bis drei Wochen braucht jede Rezeptur, bevor sie von gut bis außergewöhnlich interpretiert wird. Ein Drink ist kein willkürliches Zusammenschütten von beliebigen Zutaten.
Eine grundlegende Philosophie bleibt bei der Perfektion von einfachen Dingen. Bevor ein Drink gelingt, sollte ein Espresso ausgezeichnet sein und der Zubereitung eines Gin & Tonic größte Aufmerksamkeit geschenkt werden.
In meiner Zeit in der Victoriabar habe ich von Stefan Weber sehr viel gelernt (mitgenommen?) Alle Neukreationen auf der Barkarte der V.Bar stammen von mir. An den Neuauflagen der Barkarte war ich immer beteiligt.
Die ursprüngliche Idee zur Schule der Trunkenheit entstand aus einem Gespräch mit Kerstin Ehmer, der Frau von Stefan. Während eines sommerlichen Betriebsausflugs, dachten unterforderte Bartender über Möglichkeiten weiterer Beschäftigungen nach. Meine Idee war, dass ein Bartender sehr viel mehr über einen Drink erzählen kann, als ihn lediglich zuzubereiten und servieren. In einem Drink steckt sehr viel mehr Kulturgut als in einem bloßen Getränk. Konzept und Format der Schule der Trunkenheit wurde dann gemeinsam mit Stefan, Kerstin und Beate ausgearbeitet. Kerstin ist der gelungene Name „Schule der Trunkenheit“ zu verdanken.
In meiner Zeit in der Victoriabar habe ich von Stefan Weber sehr viel gelernt. Die mir gegebenen Möglichkeiten sind ausgereizt. Ein nächster Schritt mit mehr Gestaltungsmöglichkeiten und Verantwortung liegt seit einiger Zeit in der Luft.
Das Projekt der Mixology habe ich seit den Anfängen unterstützt.  Erst mit sofortigem Abonnement, und dann mit der Bereitschaft den Herren Hasenbein und Adam zu helfen. Zur letzten 2005 Ausgabe erschien mein erster Artikel. 2006 wurde ich zusammen mit Bastian von Helmut zum Drinks Director gekürt.
Die Bekanntschaft mit dem Löwen erfolgte Anfang 2007. Nachdem die Kunde vom Neueröffneten kleinen Speakeasy die Runde machte, bewarb ich mich bei Jörg um den Donnerstag. Der kleine Löwe beschränkte seine Öffnungszeiten auf Freitag und Samstag. Da Donnerstag zu meinen freien Tagen gehört, schlug ich vor in den Zug zu steigen um gemeinsam mit dem Minister den Donnerstag im kleinen Löwen zu gestallten. Resultat war ein gintastischer 1. Februar mit den äußerst liebevollen Ankündigungen in Form von Videocasts des Herrn Meyer. Dieses Ereignis sollte nicht einmalig bleiben. Jörg, der Macher, gründete die Traveling Mixologists.

Mit dieser Zusammenarbeit waren die Weichen bereits gestellt, als Jörg einen kleinen Laden fand um ein neues Barprojekt in Angriff zu nehmen. Die Einladung, an dem großen Löwen mitwirken zu können ist unwiderstehlich. Mit Herrn Meyer und dem Le Lion fand ich endlich den perfekten Galeristen für meine Kunst.

Getränkekarte, Cocktailmenu

Die Getränkekarte ist in der Regel das Aushängeschild einer Bar. Die Namen sind vielfältig, von Getränkekarte, Barmenü, Cocktailliste, Drinks Menue etc.
Die Spielarten dieser „Barmenues“ sind vielfältig, und fallen, wenn gut gemacht, je nach Konzept sehr unterschiedlich aus. DIE Barkarte gibt es nicht, eben sowenig wie es DIE allgemein gültigen Regeln für solch eine Karte gibt.

Eine Auswahl verschiedener Cocktailkarten als .pdf Download steht hier zur Verfügung:
Barkarte Artesian Bar London
Barkarte Mojitos Düsseldorf
Barkarte Lab Bar London
Barkarte Spirits of India, Bad Salzuflen
Barkarte Match Bar, London
Barkarte Milk & Honey, London 2005
Barkarte Milk & Honey, London 2007
Barkarte, New Victoria Room, Australien
Barkarte paparazzi, Bratislava
Barkarte River Kasematten, Hamburg
Barkarte Rubinrot, Köln
Barkarte Stonehurst, New England
Barkarte The Lonsdale British Menu 2007, London
Barkarte Victoria Bar, Berlin
Barkarte (Auszug – The Next Generation) Modern Masters, Erfurt


Sicherlich, es gibt gesetzliche Vorschriften, die es bei der Erstellung einer Getränke zu beachten gibt. Zusatzstoffzulassungs-Verordnung, Gaststättengesetz, Preisangaben-Verordnung und andere Vorschriften sind zu beachten. Die IHK Cottbus hat hier einen Überblick dieser Vorschriften ins Netz gestellt:
- > Merkblatt Karten

Eine Barkarte erfüllt neben Gesetzlichen Vorschriften einige Grundfunktionen, die je nach Konzept, mehr oder weniger wichtig sind.

Sie gilt als Visitenkarte des Hauses. anhand Ihrer „Handschrift“ erkennt der erfahrene Gast oft, wie er das Haus in Art, Stil und Preisgefüge einzuschätzen hat. Jeder Bartender, der unseren Beruf schon einige Zeit ausübt weiss, das es Gäste gibt, die nie eine Karte benötigen, da sie stets das Gespräch mit dem Bartender/Service suchen oder schon wissen was Sie trinken möchten. Andererseits gibt es Gäste, die immer erst in die Karte schauen möchten, um sich z.B. über das Preisgefüge zu informieren. Ein Vergleich mit einer Speisenkarte ist gegeben. Die Sprache der Küche verrät oft, was auf dem Teller später zu finden ist. Die Wahl der Sprache ist entscheidend. Opulent, schlicht, gewollt witzig, informative sind nur einige Atribute die eine Karte besetzen kann. Sie bekommen die Gäste, die Ihre Art Kartensprache schätzen. Je polarisierender Ihre Formulierungen, desto eher entscheiden sich Gäste schon aufgrund der Karte für oder gegen Ihre Bar.
Folgende Formulierung: „Ein exquisiter amerikanischer Whisky, lange in erstklassigen Fässern gereift, vermählt sich hier mit einem der besten roten Vermouth, sanft auf Eis gerührt und mit einigen Dashes handgemachten Orangen Bitters zu einem harmonischen Gesamteindruck, der durch  das Absprühen einer Orangenzeste aus ökologischen Anbau über dem Drink zur Perfektion findet.“ für einen Manhattan Cocktail mag der eine oder andere erstklassig finden, für mich zum Beispiel ist es eine mittelschwere Katastrophe und ich würde überlegen ob ich die Bar nicht ohne Bestellung wieder verlassen.

Überlegungen für die Barkarte LE LION
(mit dem Hinweis, das diese Form in keinster Weise die einzig richtige sein soll)
Barkarten sind oft bis zu 100, 150 oder mehr Cocktails stark. Gefolgt von einer Ellenlangen Auflistung mehr oder Minder interessanter Spirituosen. Kommen nun noch die Üblichen Hemmingway Geschichten oder Zitate anderer berühmter Trinker hinzu, liegt in den meisten Fällen ein echtes Buch vor.

In großen Konzepten mag das „Geschichten erzählen“ in Mangel an Personal und eventuelle auch fehlender Qualifikation der Karte obliegen. In kleinen, beratungsintensiven Konzepten ist solch eine umfangreiche Karte nicht angebracht. Es obliegt dem Servicepersonal zu erzählen und zu Empfehlen. Die Karte gibt lediglich einen kurzen Überblick über das Preisgefüge und gibt mit wenigen Anregungen Empfehlungen bei Mixed Drinks und Spirituosen. Ein Whisky Sour braucht auf keiner Karte zu stehen, er ist einfach da. Ebenso wie eine Daiquri, ein Mojito und übliche Verdächtige. Unsere Karte als auch unser Mixed Drinks Angebot sind als eher reduziert zu bezeichnen. Für die Auswahl an Mixed Drinks zeichnet sich größtenteils Gonçalo de Sousa Monteiro verantwortlich.

Wir würfeln derzeit immer noch aus, ob man wirklich jede Zutat in einer guten Bar benötigt. Das es weder Bananen noch Kirschsaft gibt, wird jeder verstehen. Wir überlegen aber auch etwas weiter zu gehen und Beispielsweise Cranberry und Maracuja Nektar aus der Bar zu lassen. Im Moment werden wir vier Säfte anbieten: Orange, Grapefruit, Limette und Zitrone. alle werden bei der Bestellung frisch gepresst. Bei Apfelsaft und Traubensaft überlegen wir noch ob eine Schorle ein wirklich wichtiges Getränk in einer Bar ist. Espresso ja, Tee nein ist unsere derzeitige Auswahl. ein gutes Flaschenbier ja, Hefeweizen nein führt die Gedanken fort.

Mein erster Versuch, alles auf zwei nicht ganz Din A4 große Seiten zu bekommen ist leider gescheitert. 30-40 Drinks mit der Nennung weniger Spirituosen waren noch Möglich. 40 – 50 Wein Positionen, ca 15. Champagner Positionen und ein kleines Speisen Angebot konnten aber nicht mehr untergebracht werden.

Wir suchen nach wie vor eine Lösung, in der somit eventuelle 4 Seiten gebunden, aber jeder Zeit austauschbar, unsere Karte wiedergeben. Die Idee ist, diese wenn nötigt nahezu wöchentlich zu ändern. Nicht komplett, aber eventuelle Drinks nach Tagesangebot zu empfehlen und z.B. die offenen Champagner und Wein Sorten rotieren zu lassen.

Grundsätzlich soll die Karte anregen und informieren, aber nicht erschlagen. Selbstverständlich gibt es eine Auswahl jenseits der Karte. Die Bar Le Lion ist sehr klein und so sehen wir uns in der Lage Empfehlungen auszusprechen und beraten zu können

Wir werden die Karte hier in Kürze vorstellen.

Donnerstag, 27. September 2007

London, Paris, Hamburg

London
Vor mehr als zwei Wochen hatte ich mich für “einige Tage” nach London abgemeldet. Länger als geplant “schwieg” der Barbaublog, nun möchte ich mich zurückmelden.
Der Besuch in London war, wie schon an anderer Stelle verkündete, ein wenig ernüchternd. Nicht das wir uns missverstehen, in London wird durch die Bank auf hohem Niveau gemixt. Ein Zustand der in GSA Staaten leider noch nicht zwingend in der Summe geboten wird.
Vielfach gelobte Konzepte und Locations hatten außer Design, PR und Marketing nicht viel zu bieten. Das Personal unaufmerksam und arrogant, die Drinks mittelmäßig bis schlecht, die Preise selbst für London völlig überzogen. Natürlich glänzten auch bei diesem Besuch wieder bekannte “Klassiker”, einige Souverän, andere mit leichten Schwächen. Fazit: 


Als Bartender ist man im Ausland in der Regel auf der Suche nach zwei Dingen: Bar Tools und “hard to get” Spirituosen.
Für Bartools nennen einem Londoner Kollegen in der Regel eine Adresse:
Pages – Showroom
Ich muss gestehen, das ich hier bis auf BONZER Barlöffel und Jigger nichts interessantes finden konnte – von den gesuchten Limettenpressen ganz zu schweigen. Ich bin aus Hamburg eine deutlich größere und bessere Auswahl gewohnt.
Ein absolutes Highlight hingegen war der Pflichtbesuch bei Gerrys in Soho. Jedem ernsthaftem Bartender wird der Besuch dieses Ladens so schnell nicht mehr aus dem Kopf gehen.
Gerry’s Wine and Spirits - you can buy almost any drink under the sun” so die Werbung und man darf sagen, das die gebotene Auswahl der Aussage mehr als Stand hält. Die Auswahl dieses Shops ist überwältigend und konkurriert direkt mit der Einzigartigkeit der Verkäufer. Die nahe gelegene Lab Bar sorgt jedes mal wieder für einen perfekten SOHO Besuch in London
Paris
Vor einigen Tagen nun, hatte ich das kurzfristige Vergnügen zusammen mit Traveling Mixologists 007: Xavier Padovani und Eric Fossard (IBBS) im Experimental Cocktail Club Paris einige Drinks zu mixen. Der Einblick in das Pariser Cocktail Leben war hochgradig interessant. Während man bei London das Gefühl hat, das der Zenit langsam aber sicher durchschritten wird, und Deutschland und die GSA Staaten sich auf den Weg gemacht haben, stet das sonst so Trendsichere Paris in Puncto Cocktailkultur gerade am Anfang. Neben den weltberühmten Klassikern wie der Bar im Ritz oder Harry New York Bar, gibt es nun erstmals eine junge, kreative Szene an Bars und Keeper die unglaubliches Interesse an den Tag legt.
Ganz vorne an dieser Bewegung stehen sicherlich die Drei Macher vom Experimental Cocktail Club: Romee, Olivier und Pierre. Das Konzept hat mich absolut begeistert und ich habe die Drei gebeten mit noch mehr Informationen zu schicken, um es hier in kürze vorzustellen. Die Stimmung war Großartig, die Gäste unglaublich interessiert und man darf gespannt sein, mit welchen Meilen Stiefeln Paris seinen “Rückstand” aufholen wird in wann die ersten Trends aus Paris kommen werden.
Übrigens, in Anlehnung eines sehr lesenwerten “Web 2.0 für Bartender” Artikels von Helmut Adam habe ich mir erlaubt, Bilder von Abend im Experimental Cocktail Club hier auf Facebook hochzuladen:


Hamburg
Le Lion, Bar de Paris freut sich, Kontakt in die “Heimat” aufgenommen zu haben. Einem Gastspiel der Drei in Hamburg steht nichts im Wege – ich freue ich drauf! Doch zuvor muß eine Bar gebaut werden – noch ca. 4 Wochen, Ende Oktober wollen wir eröffnen – Endspurt!
Adressen:
Pages – Showroom
121 shaftesbury Avenue, London WC2H 8AD,
Tel + 44 (0) 845 373 4017 – showroom@pagescatering.co.uk
Webseite leider nicht öffentlich.
Gerry’s – Soho
74 Old Compton Street
London W1D 4UW
Tel. 00 44 (0) 20 7734 2053
info@gerrys.uk.com
Experimental Cocktail Club
37 rue Saint-Sauveur
75002 Paris
Tel. 00 33 (0) 1 45 08 88 09
Text: Jörg Meyer

Freitag, 7. September 2007

London Calling ...

bin ab morgen für knapp eine Woche in London. Noch einmal Ideen sammeln und das Konzept abrunden. Falls es also weniger zu lesen gibt, bitte ich um Verständniss.

Die Kleidung


Die Drinks, die man als Bartender zubereitet sollten, “beiläufig perfekt” sein. Ein guter Drink ist Grund solides Handwerk. Nicht mehr – nicht weniger! Köche mögen Künstler sein oder die Medien uns diese gerne als solcher verkaufen – Bartender sind Handwerker. Das Handwerk zu beherrschen ist nur der Anfang, die Pflicht. Die Kür ist so viel mehr, und den “Kür Teil” kann man niemandem beibringen. Der Bartender kann sich die Kür Jahrelang erarbeiten: Umgangsformen, Eloquenz, Beständigkeit – Alles was über die Zubereitung des Drinks hinausgeht, ist, ob wir wollen oder nicht, mit einer gewissen Art „Schauspiel“ verbunden.
Die Gesamtkonzeption einer Gastronomie und somit auch einer Bar ähnelt einer „Inszenierung“. Bei schlechtem Skript und mittelmässiger Umsetzung fühlt der Gast sich auch wie in einer schlechten Aufführung – „Erlebnisgastronomie“ und anderer Mist lassen Grüßen.
Zu einem gelungen „Gesamtbild“ gehört eine passende Kleidung (Verkleidung?). Das „Konzept“ – „jeder wie er will“ mag im Eck-Café oder kleiner Club Gastronomie angebracht sein, in einer Bar kann ich wenig damit anfangen.
Immer häufiger sieht man Barpersonal in „gebrandeter“ Kleidung – Auf der Brust prangt der Schriftzug eines großes Spirituosen Brands. Einer Kooperation mit verschiedenen Firmen steht grundsätzlich nichts im Wege – die enge Zusammenarbeit von Gastronomie und Spirituosenindustrie finde ich oft flach, plakative und gefährlich.
Das größte Kaptial was eine Gastronomie hat, ist das Vertrauen der Gäste. In einer exklusiven Bar „zerstört“ die Kooperation mit einem einzelnen Brand die „Vertrauensbildung“ beim Gast. Nicht mehr die Meinung des Gastes ist hier wichtig, sondern der Pouringverträge mit Firma XXX. Bars sollten im Bereich „Spirituosen“ keine Deals mit Firmen machen. Das einzig entscheidende ist der Wunsch des Gastes und eine „wertfreie“ Beratung. Der Barkeeper sollte stets Berater seines Gastes und niemals Handlanger mittelmässiger Pouringverträge sein. Bedruckte Servierten und neutrale Gläser kann man in der Regel selber bezahlen und es sieht auch noch deutlich besser aus!
Kooperationen mit Partner „außerhalb“ der Spirituosenindustrie hingegen können sich durchaus gegenseitig „beflügeln“. Als Bar verkaufen wir unserem Gästen neben einer banalen Ware, viel Mehr z.B. Genuss, Lebensart, Atmosphäre.
Wir haben uns daher entschlossen mit eine kleinem Bekleidungshaus zusammenzuarbeiten. Wir besetzen mit unseren Produkten gleiche Werte: Qualitative hochwertige Produkte, Individualität statt Masse, für Liebhaber und Kenner.
Seine und Unsere Kunden werden sich zum Teil überschneiden, Gäste die diese Form der Bekleidung schätzen, werden, so vermuten wir, auch unsere Form der Gastronomie schätzen und umgekehrt. Solch ein „Deal“ macht in meinen Augen sehr viel Sinn, da wir Gegenseitig Gäste/Kunden gewinnen können, aber keiner der Partner mit einem „Gesichtsverlust“ bei seinem Kunden rechnen muss. Pouringverträge oder ähnliche hilflose Abkommen mit Spirituosenbrands hingegen werden wir in keiner Form abschließen.
Die Gespräche laufen noch, deshalb kann ich an dieser Stelle noch keine Namen bekannt geben (folgt). Unsere anfängliche Idee, eine Art „Uniform“ zu entwerfen – haben wir entworfen. Statt dessen werden wir jeden Mitarbeiter mit 2-3 unterschiedlichen Garnituren ausstatten. Jeder Mitarbeiter aus unserem Haus trägt somit „individuelle“ Kleidung, die nach gewissen Vorgaben, an seinen Typ angepasst wurden.
Es gibt keine offensichtliche Uniform, dennoch sind die Mitarbeiter über den Stil und den Ausstatter „uniformiert“ – Stilelemente sollen sein: Dandy Stil, 30er Jahre, Tweed, Cord und ähnliche Stoffe. Eingenähte Hosenträger, Ärmelschoner, Krawatten, Einstecktücher – kurz: feinste Speakeasy Mode!

In einem anderen Projekt und bei den Traveling Mixologist haben wir in Anlehnung an alte Harry Johnson Abbildungen, den Bartender ganz in Weiss erscheinen lassen.
Ich persönlich mag dieses Bekleidung sehr – Das Model, was wir mit Logo versehen haben, heißt „Charles“ und eine gewisse Schumanns Bar in München ist diesem traditionellen Barkleidungsstil seit Jahren treu. Jedes mal, wenn ich am frühen Abend in München einen Drink nehme, ist es ein Fest für die Augen, bis zu 8 Weiss bejackte Herren bei der Arbeit zuzusehen.
Bezug der Traveling Mixologists Baruniform:
Martin Schmid GmbH
Egling
Tel 081 76 487
Text: Jörg Meyer